Bekannt wurde der Syker Bildhauer Louis Niebuhr durch seine großen Steinskulpturen und Bronzen. Doch schon seit 1992 arbeitet er vermehrt auch mit Holz, vorzugsweise mit Baumstämmen, Astwerk oder auch Baumwurzeln.

Das schöpferische Wirken der Natur wird Ausgangspunkt für den künstlerischen Prozess, der sich am Vorgefundenen orientiert und mittels des Eingriffs durch den Künstler das Artifizielle in den bewussten Gegensatz zur "Natur" stellt. Durch die Herausstellung der Materialstruktur und deren gleichzeitige Umwandlung/Verfremdung durch Einbuchtungen, Glättungen, Akzentsetzungen durch Farbe bezieht Louis Niebuhr Gegensätze aufeinander. Diese Auseinandersetzung mit Polaritäten zieht durch sein gesamtes Werk. Ihm gelingt es, in einem Kunstwerk diese scheinbaren Widersprüche aufzugreifen und sie letztendlich in eine Synthese von Naturgegebenem und Zeittypischem münden zu lassen.

Auch mit der von ihm entwickelten Technik der Photograttage, bei der Photographien durch gezielte Bearbeitung mit Schabwerkzeugen virtuelle Gestalt erhalten, spürt er der Divergenz zwischen organischem Wachstum und Konstruktion nach. Er führt sie zusammen, und eine vermeintlich festgefügte Wirklichkeit wird nicht nur verändert, sie gibt dem Betrachter neue Einblicke in Realität(en), die faszinieren und zugleich verunsichern.

geb. 1936 in Syke